.. and master of none. Frei übersetzt laut Wikipedia: „in jedem Beruf Geselle, aber in keinem ein Meister“. So lautet Olivers Einschätzung bereits zu Beginn unseres Gesprächs. Ich sehe das natürlich ganz anders!

Aber fange ich doch erstmal vorne an. Oliver lädt mich in seine Wohnung ein, die zunächst den typischen „Junggesellen Charme“ vermittelt. Näher hingesehen finden sich überall besondere kleine kreative Hinweise darauf, dass hier ein Mensch lebt, dessen Geschmack weder aus dem schwedischen Möbelhaus noch sonstigem Mainstream entspringt. Nichts ist zufällig platziert und alles vermittelt eine ungewöhnliche Präsenz. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich es liebe, andere Menschen zu Hause zu besuchen?

Wir versuchen im Gespräch den Unterschied zwischen Identität und Selbstkonzept herauszufinden. Olivers Selbstkonzept richtet sich nach der Bestätigung anderer: somit hängt sein Selbstwertgefühl davon ab, was andere sagen und die Enttäuschungen der Vergangenheit sitzen tief. Er wünscht, irgendwann ein unabhängiges Selbstkonzept zu finden. Die Idee von Identität hingegen empfindet er als fließend, situationsbedingt. Und da hinein gehört auch seine sprudelnde Kreativität: nähen, zeichnen, malen, etwas programmieren. Oliver ist es sichtlich unangenehm, diese theoretischen Konstrukte benennen zu „müssen“ und ich finde es sowieso wesentlich spannender, mir Beispiele eines Jack Of All Trades zeigen zu lassen.

Wer hätte gedacht, dass dieser junge Mann sich selbst das Nähen beigebracht hat?! Seine witzigen und aufwendig genähten Handpuppen möchte ich ja am liebsten gleich ausleihen und im nächsten Supermarkt zwischen den Regalen ausprobieren. Als es um das Zeichnen und Malen geht, öffnet sich buchstäblich ein Tor in eine andere Welt. Album für Album zieht Oliver aus dem Regal und zeigt viele, viele Zeichnungen, hauptsächlich Mangas, von Vorbildern inspirierte und ganz eigene Kreationen. Er sagt: “ein Teil von mir ist immer drin”. Ich bin sehr beeindruckt von seinem Talent und seinem stetigen Bemühen darin, alles herunter zu spielen. Seine Körperhaltung und Stimme verändert sich nun und Oliver zeigt mir  immer mehr von seinem künstlerischen Schaffen und es wird überdeutlich: hier schlägt sein Herz. Und man möchte es nehmen und in die Welt tragen – aber das kann nur er selbst.

Als ich ihn nach einem Motto oder Botschaft frage, sagt er: “Steh zu allem, was du schaffst und laß dir nicht von Trollen die Laune verderben.” Jawoll!

Vielen Dank für das Gespräch und das Vertrauen, Oliver!

hier eine eigene Kreation von ihm: